Die Friesen im Mittelalter


Deus mare, Friso litora fecit.
„Gott schuf das Meer, der Friese die Küste.“

Hoi! Mein Name ist Fokke vom Stamm der Brokmer aus dem Volk der Friesen. Ich würde Euch gerne mein Volk und dessen Eigenheiten etwas näher bringen.

Wir Friesen (Frisii, Frisiones, Frisones, in unserer eignen Sprache Frisan) sind ein nordwest-germanischer Volksstamm, der während der Römischen Kaiserzeit den Römern bei ihren Einfällen ins nördliche Magna Germania bekannt wurde. Wir wohnten an der Nordseeküste zwischen den Mündungen des Rheins, Ems und der Weser, also in den heutigen Niederlanden, Ostfriesland und Oldenburg.

Um den Tiden, den Gezeiten, zu entkommen leben wir auf sogenannten Warften. Das sind aufgeschüttete Hügel auf denen wir unsere Häuser bauen. So bleiben wir im Trockenen, wenn die Flut kommt.

Wie wir lebten, so lebten auch unsere Nachbarn, die Chauken (die Hohen, die hoch Wohnenden), über die im 1. Jahrhundert der Römer Plinius Secundus schrieb:
"Wir haben auch erwähnt, daß im Morgenland nahe am Ozean mehrere Völker in diesem Mangel leben; es gibt aber im Norden ebenfalls (solche Völker), die wir gesehen haben, nämlich die der Chauken, die die Größeren und die Kleineren genannt werden. In ungeheurer Strömung ergießt sich der Ozean dort zweimal bei Tag und bei Nacht in Abständen auf ein unermeßliches Gebiet, indem er das dauernde Gegeneinander der Elemente verdeckt und die Örtlichkeit des Landes, von der man zweifeln kann, ob sie nicht ein Teil des Meeres sei. Dort bewohnt ein ärmliches Volk hohe Hügel oder von Menschenhand im Hinblick auf die Erfahrungen mit der größten Fluthöhe errichtete Bühnen, auf die Hütten gesetzt sind. Die Bewohner ähneln Seefahrenden, wenn das Wasser die Umgebung deckt, Schiffbrüchigen aber, wenn es wieder zurücktritt und sie jagen die mit dem Meer fliehenden Fische bei ihren Hütten. Vieh zu halten, gelingt ihnen nicht, sich von Milch zu ernähren wie ihre Nachbarn, nicht einmal mit den wilden Tieren zu kämpfen, weil in der ferneren Umgebung (der Hügel) jeder Strauch fehlt. Aus Sumpfgras und Binsen flechten sie Seile, um Netze zu knüpfen zum Fischfang, und indem sie den mit der Hand gesammelten Lehm mehr durch Wind als durch Sonne trocknen, erwärmen sie durch diese Erde ihre Speisen und die vom Nordwind erstarrten Gedärme. Sie trinken nur Regenwasser, das auf dem Vorplatz des Hauses in Gruben aufbewahrt wird."

Wir Friesen hatten schon immer unseren eigenen Kopf und kamen mit sog. Herrschern nie wirklich gut zurecht. Zur Zeit des Großfriesischen Reiches kam es immer wieder zu Konflikten mit dem südlich gelegenen Frankenreich. Die Franken haben zuerst einfach nicht verstanden wie wichtig uns der Begriff Freiheit nun wirklich ist.

Während unser König Aldgisl noch weitestgehend in Frieden mit den Franken lebte, kam es unter Aldgisls Nachfolger Radbod immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Franken. Die Kriege wurden vor allem wegen der Kontrolle des Rhein-Maas-Deltas geführt, das von uns Friesen beherrscht wurde. In der Schlacht bei Dorestad, an den Ufern des Rheins, unterlag Radbod dem Herrscher des Frankenreiches Pippin dem Mittleren und musste den westlichen Teil des Reiches an die Franken abtreten. In den fränkisch beherrschten Gebieten setzte ab 690 die Missionierung der heidnischen Friesen durch Willibrord ein. Eine Missionierung die bis heute wohl kaum abgeschlossen ist. Uns Friesen sind nunmal unsere alten Bräuche und Götter wichtig.

Nach dem Tod von Pippin dem Mittleren sammelte jedoch Radbod seine Truppen erneut und eroberte 716 die zuvor verlorenen Gebiete in einer Schlacht gegen den fränkischen Hausmeier Karl Martell zurück. Im Übrigen die einzige Schlacht, in der Karl von Martell jemals unterlag. Radbod starb 719 und sein Nachfolger wurde Poppo.

Im Jahre 734 eroberte Karl Martell dann leider doch den westlichen Teil Frieslands, und der letzte Gesamtherzog der Friesen Poppo fiel in einem Kampf gegen einen fränkischen Adeligen. Diese größte Ausbreitung des friesischen Territoriums wurde bekannt als Frisia Magna. Das, was heute von der Frisia Magna übriggeblieben ist, ist klein und verstreut. Das meiste ist von den sich ausbreitenden Nachbarn erobert worden, von den Sachsen, die in den Norden und Westen vordrangen und den Franken, die den Norden und Osten besetzten.

Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg über die Sachsen ganz Friesland einschließlich der östlichen Gebiete bis zur Weser für das fränkische Reich. Er vertrat eine Politik, die den einzelnen Stämmen im Reich eine gewisse Autonomie sicherte. Das war die einzige Möglichkeit unserem Volk Herr zu werden, in dem er uns unsere Freiheit ließ. Auch unsere Gesetze würdigte er und ließ diese sogar gegen Ende des 8. Jahrhunderts aufzeichnen, die Lex Frisionum, das alte Gesetz der Friesen.

 


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